Heute schon hingen die Fahnen auf der Staatskanzlei und dem Landtag in Mainz auf Halbmast, morgen sollen die Fahnen aller öffentlicher Gebäude in Rheinland-Pfalz folgen: Unser Bundesland ehrt die getöteten Mitarbeiter der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Deutschland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Mainz – überall wird heute mit dem Nachbarn Frankreich getrauert. Gleichzeitig regt sich immer mehr Wut – und die Entschlossenheit, sich nicht den Mund oder die spitze Feder verbieten zu lassen.

Lars Reichow in der Fastnacht - Foto: gik
Lars Reichow in der Fastnacht – Foto: gik

„Jetzt erst Recht“, so reagierten Narren, Journalisten und Kulturschaffende – nicht nur in Mainz, aber auch hier – auf den blutigen Terror, bei dem am Mittwoch in der Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo mehrere Mitarbeiter getötet wurden, dazu Polizistin und ein Fußgänger auf der Straße.

Betz: Ein Grund, schärfer zu werden

Änderungen an den närrischen Motivwagen für den Rosenmontagszug? Nicht mit uns, hieß es in Mainz. Der Anschlag sei „ein Grund, schärfer zu werden“, zitierte der SWR in einem Tweet den Fastnachter Hans-Peter Betz, bekannt als Guddi Gutenberg. Wir sind schon gespannt, wie die Narren das Ereignis in ihre Vorträge einbauen…

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Respektloser Guddi Gutenberg beerdigt schon mal jemanden - hier die FDP - Foto: gik
Respektloser Guddi Gutenberg beerdigt schon mal jemanden – hier die FDP – Foto: gik

Überall im Netz tauchten seit Mittwochabend schwarze Schilder mit „Je suis Charlie“ auf – sichtbare Zeichen von Solidarität mit Charlie Hebdo und von Wut auf das Geschehen. Auch in der Mainzer Szene wird nachgedacht, wie man der Opfer des Terroraktes noch einmal gedenken kann. Wer eine gute Idee hat – her damit! Wir unterstützen das natürlich sehr gerne.

Treffen mit Muslimen in Mainz

Die rheinland-pfälzische Landesregierung wiederum senkt nicht nur die Flaggen, sondern organisiert auch ein Treffen: Für Samstag hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) Vertreter muslimischer Verbände zu einem Gespräch in die Staatskanzlei eingeladen.

Bei dem Treffen soll eine Erklärung verabschiedet werden, in der man sich gemeinsam von dem Pariser Anschlag distanziert und sich zu den Werten der Toleranz und der Weltoffenheit bekennt. Dies solle „auch ein Signal an die Öffentlichkeit sein, dass  der Islam nicht mit religiösem Fanatismus gleichgesetzt werden darf“, hieß es am Donnerstag aus der Staatskanzlei.

„Kein Prophet gerächt, sondern Glaube verraten“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hatte schon am Mittwochabend reagiert: „Es gibt in keiner Religion und keiner Weltanschauung auch nur einen Bruchteil einer Rechtfertigung für solche Taten. Dies ist ein feindlicher und menschenverachtender Akt gegen unsere freie Gesellschaft“, hieß es in einer Mitteilung auf der Homepage. „Durch diese Tat wurde nicht unser Prophet gerächt, sondern unser Glaube wurde verraten und unsere muslimischen Prinzipien in den Dreck gezogen.“

Die Attentäter hatten während ihrer Tat immer wieder „Allah ist groß“ gerufen, und dass man nun „den Propheten gerächt“ habe – was immer das bedeuten sollte.

Info& auf Mainz&: Die Trauerbeflaggung beginnt um 8.00 Uhr und endet bei Einbruch der Dunkelheit.

 

2 KOMMENTARE

  1. Du Kunst der Narren wie die der Karikaturisten und Kabarettisten ist es,
    unsäglich Ereignisse und Zustände aus Politik und öffentlichem Leben der Lächerlichkeit preiszugeben.

    Hier aber handelt es sich um Ernsteres. Dieses Mittel versagt hier.
    Aber ich hätte eine Idee für den Rosenmontagszug:

    Vor jeder Gruppe läuft ja ein Schildträger;
    diesmal aber sollen es jweils zwei sein
    und der erste trägt bei jeder Gruppe ein Schild.

    ES LEBE CHARLIE oder VIVE CHARLIE

    Und bei denn Sitzungen versuche man bitte nicht irgendeine passend erscheinende Passage in seinen Vortrag einzubauen.
    Viel wirksammer ist EINE SCHWEIGEMINUTE inmitten jeder Fastnachssittzung.

    Vielleicht kann gik ja diese Vorschläge weiteleiten ?

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