Uralte Glasfenster, eine Kirchentür und viele Dachziegel - Landesdenkmalpflege sammelt und berät
Alter Dachziegel mit eingebauter Lüftung – Foto: gik

Und, habt Ihr es bei der Museumsnacht in den Keller des Erthaler Hofs geschafft? Dort hatte die Landesdenkmalpflege zum ersten Mal ihren Keller geöffnet, ein altes, hohes Barockgewölbe. Darinnen: Uralte Fenster, alte Türen, eine Treppe – und richtig viele Dachziegel. Es ist die Sammlung der Baustoffe, die das Landesdenkmalamt da ausschnittsweise zeigte – ein spannender Einblick in eine eher unbekannte Arbeitsrichtung der Denkmalpflege.

„Es ist vor allem eine Schausammlung“, sagte der leitende Denkmalpfleger Markus Fritz-v.-Preuschen Mainz& beim Bummel durch den Keller, Sinn der Sache sei, die bautechnische und bauhistorische Entwicklung in Rheinland-Pfalz zu dokumentieren. Also werden Dachziegel aus allen Epochen gesammelt, die ältesten natürlich aus der Römerzeit, wie könnte es auch anders sein 😉 Das waren übrigens zwei riesige Ziegel, die so gut erhalten waren, dass man sie glatt wieder nutzen könnte.

Dann wieder sind da Industrieziegel aus Oppenheim zu finden, Biberschwanzformen, und manche „Feierabendziegel“. Die heißen so, weil zum Feierabend die Dachdecker offenbar besonders verzierte Ziegel schufen, eine Art Ausrufezeichen am Abend. Einen Schritt weiter steht eine alte Dachgaube, daneben eine große Spitze aus Zinnblech. „Sie stammt von der alten jüdischen Trauerhalle und noch aus dem Jahr 1883, erklärt Joachim Glatz, Leiter der Landesdenkmalpflege.

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Uralte Glasfenster, eine Kirchentür und viele Dachziegel - Landesdenkmalpflege sammelt und berät
Landeskonservator Joachim Glatz mit der Spitze der jüdischen Trauerhalle beim Hauptfriedhof – Foto: gik

Und wer nutzt so etwas? Studenten, erklärt Glatz, vor allem der Fachhochschule kämen mit ihren Professoren, um die Bauentwicklung zu studieren. Na so was. Weiter geht es mit wunderschönen Bodenfliesen aus Ton, reich verziert, mit Blumenmustern. Die stammen vom Saarländischen Prozellanhersteller Villeroy und Boch, und sind noch gar nicht so alt, erklärt Glatz – die meisten stammen aus der Gründerzeit im 19. Jahrhundert. Einfach schön.

Gleich nebenan steht „die Faust des Mars“ auf dem Boden, es ist tatsächlich eine Faust aus rotem Sandstein, die von der Rheinfassade der Staatskanzlei stammt. Allein die Faust ist schon fast einen Meter hoch, wie groß muss dann erst die ganze Figur sein… Flankiert wird die Faust von einem roten Löwen, er stammt natürlich vom Deutschhaus, dem heutigen Landtag. „Wir haben ein eigenes Institut für Steinkonservierung“, erzählt Glatz, diese Experten richten die Figuren an den Fassaden wieder her – die Sammlungsstücke dienen zur Anschauung in Sachen Material.

Uralte Glasfenster, eine Kirchentür und viele Dachziegel - Landesdenkmalpflege sammelt und berät
Das wohl älteste Glas-Schiebefenster von Rheinland-Pfalz von 1600 – Foto: gik

Im Durchgang zu dem nächsten Kellerraum hängen eine Reihe Fenster, meist weiß lackiert. Es sind kleine Fenster und große, die meisten haben schmale Stege. Ganz links aber hängt ein kleines Holzfenster mit gelben Butzenscheiben, das sind die runden Scheiben, die wie Glasböden aussehen. „Das ist ein Schiebefenster, eine pfiffige Sache“, sagt Glatz und zeigt, wie das Fenster ganz ohne Riegel und Verschlüsse von einer Seite zur anderen gleitet. Das Stück stammt aus der Zeit um 1600 und dürfte damit eines der ältesten erhaltenen Glasfenster des Landes sein.

Woher bekommen die Denkmalpfleger nur solche Sachen? „Wir bekommen einiges geschenkt, anderes haben wir aus Abrisshäusern, vieles aus Containern gerettet“, sagt Glatz, „die Leute schmeißen so was weg.“ Einfach unglaublich. Zumal die alten Fenster nicht nur viel schöner sind und viel mehr Flair haben – sie haben auch eine bessere Qualität, erklärt Fritz-v.-Preuschen: „Das Holz der alten Fenster ist viel haltbarer, heute sind nur noch wenige Fenster aus Vollholz. Wirklich? fragen wir bei der Haltbarkeit nach. „Klar – das Fenster hier ist 300 Jahre alt“, sagt Fritz-v.-Preuschen. Das ist ein schlagendes Argument.

Aber was ist mit Dämmung, Klima und so weiter? „Es gibt ganz viele Lösungen, wie man historische Fenster ertüchtigen kann“, sagt Fritz-v.-Preuschen: Man könne ein zweites Fenster von innen davor setzen oder auch eine ganz dünne Isolierverglasung in das Fenster einsetzen.

Uralte Glasfenster, eine Kirchentür und viele Dachziegel - Landesdenkmalpflege sammelt und berät
Sammlung alter Fenster im Keller des Erthaler Hofes – Foto: gik

„Die Fenster sind ein wichtiger Teil der Fassade eines historischen Hauses“, erläutert Fritz-v.-Preuschen. Setze man bei einem Ensemble neue Fenster ein, sei die ganze historische Erscheinung perdu. Und so seien auch Fenster Zeugnisse einer bestimmten Epoche und zeigten oft die Entwicklung einer sozialen Schicht – etwa des Bürgertums.

Auch sonst gehe der Trend bei den Baumaterialien ja wieder zu den historischen Materialien, sagt Fritz-v.-Preuschen – etwa beim Lehm. So enthält die Sammlung denn auch Beispiele von Fachwerk-Verschalungen, oder auch Türen. Eine fällt besonders ins Auge, ein großer, verzierter Türflügel. „Den haben wir in der Karthäuserstraße gefunden, in einem Schuppen, erzählt Fritz-v.-Preuschen.

Wie ein Türflügel eines normalen Hauses sieht das Teil aber nicht aus. Gut möglich, dass es einen Zusammenhang mit dem früheren Kloster der Kapuzinerkirche gibt, sagt Fritz-v.-Preuschen – das Kloster ist längst verschwunden, die Tür aus der Rokoko-Zeit im 18. Jahrhundert ist noch da.

Uralte Glasfenster, eine Kirchentür und viele Dachziegel - Landesdenkmalpflege sammelt und berät
Landesdenkmalpfleger Markus Fritz-v.-Preuschen mit einer alten Treppe der Adler Apotheke – Foto: gik

3.500 alte Stücke umfasst die Sammlung im Erthaler Hof, hinten in der Ecke steht sogar eine Treppe. Die stammt aus der Adler Apotheke in der Augustinerstraße, interessant is sie, weil die Treppenstufen in die Seiten in Schlitzen verankert sind, die ausgemeißelt wurden. Und wer jetzt denkt: gute Idee! der hat sogar Recht: die Denkmalpfleger geben Besitzern alter Häuser nämlich Tipps. „Wir sind auch eine Beratung, die ein normaler Bauherr nicht hat, sagt Fritz-v.-Preuschen.

Und die Denkmalpfleger vergeben auch Geld, 60 bis 70 Millionen Euro pro Jahr allein an Steuerprivilegien für die Sanierung denkmalgeschützter Häuser. Und im Gegensatz zu anderen Bundesländern, werden die Gelder in Rheinland-Pfalz tatsächlich von der Denkmalpflege vergeben, nach Priorität bei der Dringlichkeit der Erhaltung, wie Fritz-v.-Preuschen erklärt.

Fördermittel gibt es zwar auch, aber leider nur in geringem Umfang. Allerdings können die wiederum gewährt werden, wenn es etwa gilt, tragende Holzbalken zu erneuern, um das Bauwerk zu sichern und ähnliche Dinge. Also stellt Euch gut mit den Jungs 😉

Info& auf Mainz&: Wen die Geschichte von Bauziegeln stärker interessiert, der kann in Mainz auf ein besonderes Museum zurückgreifen: In der Alten Ziegelei in Mainz-Bretzenheim, direkt an der Pariser Straße, gibt es ein Ziegelmuseum. Geöffnet ist das jeden Sonntag von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr.

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