Wein ist ja in Mainz ein Topthema, dass aber auch der Verband der Topweingüter in Deutschland, der VDP, hier seine Geschäftsstelle hat, wissen viele nicht. Stimmt aber: Seit Mai 2012 ist der VDP Mieter im neuen alten Weinlagergebäude im Mainzer Zollhafen – ein wirklich passender Rahmen 😉 Am Dienstag hatte der VDP zur Jahresauftakt-Pressekonferenz geladen, und tatsächlich startet der altehrwürdige Verband mit frischem Schwung ins neue Jahr: Mehr Qualität! verspricht der VDP – und das soll auch für die alten Mitglieder gelten.

VDP: Spitzenweingüter wollen mehr Spitze
Weinflaschen im Zeichen des VDP-Adlers – Foto gik

202 Weingüter sind derzeit Mitglied im exklusiven VDP-Club, in Rheinhessen zählen gerade einmal 16 Betriebe dazu. Das ist nicht viel, bedenkt man, dass Rheinhessen mit 26.516 Hektar Rebflächen das größte Weinabaugebiet in Deutschland ist. Aber der VDP lässt ja auch nicht jeden rein: Wer Mitglied werden will, muss sich strengen Qualitätskriterien wie reduzierter Erntemenge, Handlese und naturnahem Anbau stellen.

Weine höchster Güte von traditionellen Rebsorten aus Spitzenlagen, mit Charakter und Profil, dieses Qualitätsversprechen gibt der VDP seinen Kunden. Doch nicht immer halten die Mitglieder, was die Aufschrift verspricht: Unter den 202 VDP-Weingütern sind eben auch solche, die – sagen wir es mal vorsichtig – weniger aktiv sind. Da gibt es Weingüter, die schon lange an keinem Qualitätswettbewerb mehr teilgenommen haben oder bei denen eine Modernisierung überfällig ist.

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Bei solchen Weingütern will man künftig stärker hinschauen, ihnen mit einem Coaching helfen und so ganz generell an der internen Qualitätsschraube drehen, sagte am Dienstag in Mainz der VDP-Vorsitzende von der Nahe, Armin Diel. Und der VDP will mit offenen Augen neue Mitglieder finden, denn manch ein Weingut hat längst höchste Qualität, den Sprung in den Kreis der „Elite“ bislang aber noch gescheut – oder er blieb ihm verwehrt.

Wer Mitglied werden will, muss nämlich auch zehn Jahrgänge am Stück in seiner Schatzkammer liegen haben, eine hohe Anforderung gerade für junge Winzer, die vielleicht gerade erst das Weingut vom Papa übernommen haben. Und dann sind da noch die Regionalkriterien: An der Nahe etwa muss ein Weingut mindestens 55 Prozent Riesling verkaufen, sonst wird’s nix mit der Aufnahme.

Das führt aber dazu, dass etwa Weingüter wie der Burgunderspezialist Poss aus Windesheim draußen bleiben müssen. Die Familie der amtierenden Deutsche Weinkönigin Nadine Poss macht Burdgunderweine mit großer Klasse und legt auch schon mal einen Grauburgunder ins Barriquefass. Für den VDP aber kommen sie nicht infrage – weil ihnen der Riesling fehlt. Vielleicht werden ja auch diese Kriterien mal unter die Lupe genommen.

VDP: Spitzenweingüter wollen mehr Spitze
Drei Neue für den VDP – von links: Rudolf May, Franken, Fritz Keller, Baden und Sebastian Schäfer, Nahe – Foto: gik

Der VDP stellte jedenfalls am Dienstag drei neue Mitglieder vor: das Weingut Joh. Bapt. Schäfer von der Nahe, genau gesagt aus Burg Layen, das Weingut Rudolf May aus Franken und das Weingut Franz Keller-Schwarzer Adler aus Baden. Franz Keller kennen die meisten wahrscheinlich – aus dem ALDI. Unter dem Namen des heutigen Inhabers Fritz Keller nämlich wird bei ALDI ein „Edition Fritz Keller“ verkauft, die durchaus auch ihre Kritiker hat.

VDP: Spitzenweingüter wollen mehr SpitzeMainz& hat die Neuen schon mal probiert, und war besonderes vom Silvaner „Wellenkalk“ von Winzer Rudolf May aus dem Jahrgang 2012 fasziniert. Mineralik pur in einem ausdrucksstarken Silvaner, wow! Zum Weingut Rudolf May geht’s hier entlang. Aber natürlich müsst Ihr nicht ins ferne Franken schweifen, um Sitzeweine probieren zu können: Vor den Toren von Mainz liegen die VDP-Weingüter Kühling-Gillot in Bodenheim, Gunderloch in Nackenheim und St. Antony in Nierstein.

Die vollständige Liste der VDP-Weingüter in Rheinhessen gibt’s hier – darunter ist übrigens auch die Staatliche Weinbaudomäne in Oppenheim. Also, fahrt hin und probiert selbst! Das Leben ist bekanntlich zu kurz, um schlechten Wein zu trinken 😉

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