Jedes Jahr am 18. Mai feiert Rheinland-Pfalz ja Geburtstag: Am 18. Mai 1947 nahmen die Bürger in einer Volksabstimmung die Verfassung des neuen Landes Rheinland-Pfalz an. Seither ist an diesem Tag Verfassungsfest im und rund um den Landtag. Und das ist in diesem Jahr ein Besonderes: Es ist der Abschied vom alten Landtag, wie er bisher war. Denn das ehrwürdige Deutschhaus wird ab Herbst komplett umgebaut, erst ab Ende 2018 wird der Landtag des Landes hier wieder tagen. Also schnell noch mal hin!

Verfassungsfest am 18. Mai: Abschied vom alten Landtag
Der Landtag im Deutschhaus – Foto: Felix König via Wikimedia

Einmal auf dem Stuhl von MInisterpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sitzen oder – wenn Euch das lieber ist 😉 – auf dem Sessel der CDU-Oppositionschefin Julia Klöckner Platz nehmen. Das wunderschöne Landtagsrund bewundern und wie Landtagspräsident Joachim Mertes den Vorsitz übernehmen. Auf der Besuchertribüne Presse spielen. Die Ausstellung im Foyer bestaunen. Oder lieber im Hof Kaffee und Kuchen oder einem kühlen Glas Wein frönen – all das und vieles mehr könnt Ihr kommenden Montag ab 13.00 Uhr im Landtag am Deutschhausplatz tun.

Ende Oktober: Umzug ins Gefängnis

Und Ihr solltet Euch noch einmal gründlich umgucken: Ende Oktober ziehen Abgeordnete und Landtagsverwaltung aus dem schönen alten Deutschhaus aus und ins Isenburg-Karrée ein – das ist das ehemalige Gefängnis eine Straße weiter. Denn das im 18. Jahrhundert als Residenz des Hochmeisters des Deutschen Ritterordens – Franz Ludwig von Pfalz Neuburg – erbaute Palais ist in die Jahre gekommen.

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Das gilt vor allem für die Gänge und Säle hinter den Kulissen: Zu enge und zu wenige Büros, kaum Räume für Besuchergruppen, steile Treppenhäuser und eine grottenschlechte Barrierefreiheit – es gab reichlich Mängel in dem alten Bau. Seit seinem Wiederaufbau in den Jahren 1950/51 wurde hier nicht mehr grundlegend saniert. Die Folge: massive Probleme mit der Technik und teils auch mit dem Brandschutz – das Deutschhaus braucht eine Frischzellenkur.

Treppe, Treppenhäuser, Büros, Räume neu, Restaurantbau erweitert

Die bekommt es nun: „Der Plenarsaal bleibt an seinem Platz und in seinen Abmessungen erhalten“, sagt Hans-Peter Hexemer von der Landtagsverwaltung, ansonsten aber werde sich Vieles ändern. Der Eingang vom Hof aus bekommt zwei Rampen für Rollstühle, die historische Treppe wird vorgezogen. Im Erdgeschoss wird es keine Büros mehr geben, sondern nur noch Besucherräume, Seminarräume und Ausstellungsräume. Auch die Treppenhäuser werden neu angeordnet, sagt Hexemer.

Verfassungsfest am 18. Mai: Abschied vom alten Landtag
Der neue Anbau – Foto: Landtag Mainz

Der Anbau mit dem Restaurant wird ein ganzes Stück weit in Richtung Große Bleiche vergrößert, ein moderner Neubau soll hier entstehen, separater Eingang inklusive. Und parallel zur Großen Bleiche soll zusätzlich eine Art Innenhof für Veranstaltungen entstehen. Nicht realisiert wird dafür die ursprüngliche Idee eines zweiten Stockwerks auf dem Flachbau, so bleibt das Deutschhaus in seiner ursprünglichen Form sichtbar.

Wiege der deutschen Demokratie, Fahne des Hambacher Festes im Saal

Das Palais aus dem für Mainz so typischen roten Sandstein war übrigens eine echte Wiege der Demokratie: Hier wurde 1793 die erste demokratische Republik auf deutschem Boden ausgerufen – übrigens auch an einem 18., dem 18. März 1793. Die Franzosen brachten die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mit an den Rhein, doch die Mainzer Republik war ein fragiles Gebilde, das nur wenige Wochen Bestand hatte. Und doch gilt die „Mainzer Republik“ als einer der Vorläufer unserer heutigen Demokratie – gemeinsam mit dem Hambacher Fest, jenem Marsch von Studenten, Journalisten und Freigeistern am 27. Mai 1832 hinauf zum Schloss in der Pfalz, der zur Initialzündung für die erste deutsche Republik 1848 bis 1849 wurde.

Verfassungsfest am 18. Mai: Abschied vom alten Landtag
Plenarsaal des Landtags – Foto: Roland Struwe

Die Fahne des Hambacher Festes mit den Farben schwarz-rot-gold hängt heute im Plenarsaal des Mainzer Landtags, Mahnung und Erinnerung daran, was es gekostet hat, unsere Demokratie zu erkämpfen. Auch die Fahne wird im Herbst umziehen – wie die Abgeordneten auch. Letztere werden bis zum Ende der derzeitigen Legislaturperiode in das Mainzer Rathaus umziehen und bis zur Landtagswahl am 13. März 2016 dort tagen. Das wird eng, im Ratssaal müssen dann sogar Stühle in die Gänge gestellt werden, damit alle 101 Abgeordnete des Landtags im Rathaus Platz haben.

Stühle im Rathaus, Plenarrund in der Steinhalle des Landesmuseums

Nach der Landtagswahl wird das neue Parlament dann auch einen neuen Rahmen bekommen: Die Steinhalle im Landesmuseum wird zum Plenarsaal umgebaut. Nun ist die Steinhalle langgestreckt und eckig, doch damit trotzdem ein Plenarrund entstehet, wird die Halle geteilt. In der einen Hälfte entsteht die Lobby, Vorhof des Parlaments, in dem sich Abgeordnete und auch Journalisten am Rande des Plenums treffen. In der anderen Hälfte wird das jetzige Landtagsgestühl eins zu eins eingebaut, versichert Hexemer.

Verfassungsfest am 18. Mai: Abschied vom alten Landtag
So sieht die Teilung der Steinhalle aus – Foto: Landtag RLP

In der Schießgartenstraße entsteht ein neuer Eingang für die Abgeordneten zur Lobby, die Besuchertribüne ist zur Bauhofstraße gelegen, die Besucher betreten den Interimsplenarsaal durch den Haupteingang des Landesmuseums in der Großen Bleiche. Spannend das alles. Die Besuchertribüne wiederum werde samt Presseplätzen anders angeordnet, so dass die Besucher „einen neuen Blickwinkel“ auf die Abgeordneten bekämen, sagt Hexemer. Der große Vorteil: das Museum ist komplett barrierefrei, so können auch Rollstuhlfahrer endlich auf der Besuchertribüne die Plenarsitzungen verfolgen.

Besuchertribüne als Hufeisen, Glastüren zur Lobby

Im umgebauten Deutschhaus wird dann künftig die Besuchertribüne deutlich größer – was dringend nötig war – und in Hufeisenform das Plenarrung von oben umschmeicheln. Das Plenarrund selbst wird künftig ebenerdig sein, die Stuhlreihen nach innen leise abgesenkt. Durch Glastüren wird man dann von der Lobby in den Plenarsaal schauen können – das verspricht mehr Transparenz, mehr Zugänglichkeit der Politik. Hoffen wir, dass sich das auch auf das Verhältnis zwischen Politik und Bürgern überträgt….

Verfassungsfest am 18. Mai: Abschied vom alten Landtag
Das neue Plenarrund ab 2019 – Foto: Landtag RLP

Wann das neue Deutschhaus fertig ist? Ende 2018, schätzt Hexemer, doch der Bau unterliegt diversen Unwägbarkeiten: der Baugrund ist so nah am Rhein eher wässrig, dazu haben sich natürlich die Landesarchäologen angesagt. Und wenn die ein neues Römerschiff oder einen weiteren Tempel finden… das kann dauern 😉

Führungen mit historischen Figuren, Modelle des neuen Gebäudes

Also eine gute Idee, am Verfassungsfest noch einmal das alte Deutschhaus zu besuchen! „Ich freue mich, gemeinsam mit den Rheinland-Pfälzern den 68. Geburtstag unserer Verfassung zu feiern“, sagt Landtagspräsident Mertes. Und der Abschied vom alten Haus mache auch Lust auf die Zukunft mit einem modernen und zeitgemäßen Landtagsgebäude. Es gibt natürlich Führungen durch das Gebäude und den Plenarsaal, historische Persönlichkeiten erzählen die Geschichte des Deutschhauses.

Verfassungsfest am 18. Mai: Abschied vom alten Landtag
Landtagspräsident Mertes mit Architekt Linus Hofrichter und Modell des neuen Landtags – Foto: Landtag RLP

Eine Ausstellung zeigt die Geschichte des Deutschen Ordens und auch des Deutschhauses, eine Wanderausstellung gibt eine Vorstellung von der Arbeit der Landtagsverwaltung. Ihr könnt aber auch die Pläne und Modelle für die Sanierung des Deutschhauses in Augenschein nehmen oder im Foyer Bildhauerei-Arbeiten von Livia Kubach und Michael Kropp sehen.

Beim Landtagsquiz gibt’s tolle Preise und für die kleinen Besucher ein Figurentheater. Dazu stellen sich an Infoständen der Bürgerbeauftragte und der Datenschutzbeauftragte des Landes vor. Essen & Trinken, Musik, Gesang, Tanz und vieles mehr gibt’s im Landtagshof.

Und im Übrigen: Es ist nie ein Fehler, die Demokratie zu ehren, und sich bewusst zu machen, wie großartig es ist, dass wir sie haben – gerade in diesen Zeiten.

Info& auf Mainz&: Verfassungsfest im Mainzer Landtag, Montag, 18. Mai ab 13.00 Uhr im Deutschhaus am Platz der Mainzer Republik. Mehr über die Geschichte dieses alten Adelspalais‘ findet Ihr in diesem Mainz&-Artikel. Mehr zur Mainzer Republik findet Ihr in der Mainz&-Reportage “Wohlan, die Wahl ist leicht – nur Freiheit oder Tod!” (€) aus dem Jahr 2013, geschrieben zur Umbenennung des Platzes vor dem Landtag in “Platz der Mainzer Republik” – am 18. März. Zu dem Ereignis kam sogar Bundestagspräsident Norbert Lammert nach Mainz. Alles über das Verfassungsfest findet Ihr auf dieser Seite des Landtags, mehr zu den Umbauplänen findet Ihr hier.

2 KOMMENTARE

  1. „Das Palais …war übrigens eine echte Wiege der Demokratie: Hier wurde 1793 die erste demokratische Republik auf deutschem Boden ausgerufen“ Zitat Ende.
    Auch wenn es offenbar immer wieder unreflektiert wiederholt wird, diese Mainzer Republik war in keinster Weise durch eine auch nur im entferntesten durchgeführte echte Wahl (auswählen) entstanden.
    Sie ist auf französischen Bajonetten, einfach ausgedrückt durch eine kleine, ausgesuchte Anzahl von „Wahlberechtigten“, entstanden.
    Es war nichts anderes als ein ganz normales französisches Besatzungregime mit ein paar Mainzer Kollaborateuren.

    • Das stimmt leider nicht nicht, lieber Herr Lowin: Ja, die Republik entstand, weil Französische Bajonette ihr den Weg geebnet hatten. Aber ausgerufen wurde sie durch Mainzer Bürger – und ausgerufen wurden damals alle frühen Republiken! Auch die französische übrigens 😉 Und es wurden sehr wohl Wahlen abgehalten in der Mainzer Republik – was Sie alles in diesem Mainz&-Artikel nachlesen können. Und der beruht auf gesicherten Quellen – ich bin Historikerin. Da werden Sie jetzt wohl mal einen Euro investieren müssen 😉

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