Das Verfahren für eine neue Aufstellung des Mainzer Weihnachtsmarktes ist – man kann es einfach nicht anders sagen – gründlich in die Hose gegangen. Während die Stadtsprecher noch tapfer daran festhalten, man werde nichts ändern, rudern die bisherigen Regierungspartner im Mainzer Stadtrat eifrig zurück. Man müsse doch mit Blick auf verdiente Mainzer Unternehmen nach einer Lösung suchen, wie „möglicherweise bestehende Anlaufschwierigkeiten kompensiert werden könnten“, teilte unlängst die SPD mit. Ah ja.

Weihnachtsmarkt: Auch SPD für Erweiterung - Druck von der Stadt?
Idyllischer Mainzer Weihnachtsmarkt… – Foto: gik

Die Stadt hatte aufgrund eines Gerichtsverfahrens versucht, die Vergabe der Stände für den Weihnachtsmarkt auf neue Füße zu stellen, und ein Punktesystem mit Kategorien wie „weihnachtlich“ und „kreativ“ entwickelt. Als das System im Wirtschaftsausschuss vorgestellt wurde, stimmten die Fraktionen, die gemeinsam die Ampel-Koalition trugen zu: SPD, Grüne und FDP. Die CDU als größte Oppositionspartei enthielt sich.

Traditionsbetriebe auf einmal ohne Chance

Als aber nun Anfang Juni die Bescheide der Stadt verschickt wurden, kam das große Erwachen: Langjährige Mainzer Traditionsbetriebe waren auf einmal raus, auch das Weingut der Stadt Mainz war betroffen. Dessen Glühweinstand war auf einmal nicht kreativ genug – und hatte das Nachsehen gegenüber einem Stand mit heißen Cocktails, wie Mainz& erfuhr. Ansgar Helm-Becker, langjähriger  Wirtschaftsexperte der Grünen, hatte das wenige Tage später als verfehlt kritisiert: Das Ergebnis sei so nicht gewollt gewesen.

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Inzwischen haben die Grünen auch den Schuldigen für die Misere ausgemacht: Die angelegten Vergabekriterien „halten einer wissenschaftlichen (!) Überprüfung nicht Stand“, kritisierte Helm-Becker: Das Problem liege „an den Vorgaben des Wirtschaftsdezernats“ – und dadurch sei die Vergabe „alles andere als fair“ verlaufen. Ach so?!

Nun kam dann auch die SPD, die ja immerhin den Oberbürgermeister in Mainz stellt, eilig zum selben Ergebnis: Das Ansinnen der Verwaltung sei ja gut gewesen, das Ergebnis, also die nun festgelegte Verteilung aber „unglücklich“, sagte Fraktionsvize und Wirtschaftsexperte Martin Kinzelbach. Nun habe sich „eine Situation ergeben, die die zuständigen Ämter der Stadtverwaltung nach unserer Einschätzung zu einer zügigen Reaktion veranlassen sollte.“ Genau 😉

Stadt lehnt Ausweitung kategorisch ab

Weihnachtsmarkt: Auch SPD für Erweiterung - Druck von der Stadt?
Kuschelig ist die Atmosphäre in Mainz gerade nicht… – Foto: gik

Die Stadt Mainz hatte da allerdings schon über ihre Stadtsprecher ausrichten lasse, man halte am Vergabeverfahren fest und sehe auch gar keinen Anlass, das jetzt zu ändern. Das neue Verfahren sei ausgiebigst erörtert und kommuniziert worden, offenbar habe aber nicht jeder Beschicker bei der Ausschreibung die Kriterien ernst genommen. Im Übrigen lade Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) zu Gesprächen ein und werde den abgelehnten Bewerbern einen Stand vor dem Hauptbahnhof anbieten. Den Weihnachtsmarkt ausbauen, wie die CDU vorgeschlagen habe, wolle man nicht.

Die CDU reagierte darauf mit Unverständnis: „Warum wird dieser Vorschlag sofort abgelehnt, statt ihn wirklich ernsthaft zu prüfe?“, fragte Fraktionschef Hannsgeorg Schönig sich, die Welt und die Stadtverwaltung. Der Platz vor dem Hauptbahnhof sei doch für die meisten Menschen eine Durchgangsstation, für die Beschicker deshalb nicht wirklich eine attraktive Alternative.

Wird Druck auf abgelehnte Bewerber ausgeübt?

Und was die Gespräche Sittes mit den Standbetreibern angehe, da gebe es offenbar ein wenig seriöses Vorgehen, kritisierte die CDU: „Wie uns zu Ohren gekommen ist, setzt das Wirtschaftsdezernat aktuell etliche Mainzer Beschicker, die eine Absage erhalten haben, unter Druck, indem man sie auffordert, sich bis zum Wochenende zu entscheiden, ob sie einen Standplatz auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Hauptbahnhof annehmen.“ Das wäre tatsächlich ein starkes Stück!

Weihnachtsmarkt: Auch SPD für Erweiterung - Druck von der Stadt?
Geht der Stadt doch noch ein (Weihnachts-)Licht auf? – Foto: gik

Auf den Vorschlag einer Weihnachtsmarkt-Erweiterung springt unterdessen auch die SPD auf: Es solle doch in der Innenstadt mehrere kleinere Standorte zusätzlich geben, sagte Kinzelbach, und diesen Vorschlag bringe die SPD „von sich aus ins Gespräch.“ Gut vorstellbar wären doch Stände am Schillerplatz, da habe es 2013 ja auch schon ein weihnachtliches Angebot gegeben. Auch sollte geprüft werden, ob der Weihnachtsmarkt über Brand, Rathaus-Brücke und Jockel-Fuchs-Platz weitergeführt werden könne.

SPD: werden „pauschale Ablehnung“ nicht hinnehmen

Nun, Mainz& fragte daraufhin bei der SPD nach, was sie denn zu dem klaren Nein der Stadtverwaltung zu allen Erweiterungplänen sage? Die Ablehnung der Stadtverwaltung gelte ja nur „für den CDU-Vorschlag, den Weihnachtsmarkt in Richtung Fischtorplatz zu erweitern“, antwortete die Fraktion Mainz&. Dagegen stünden Sicherheitsbedenken und Anwohnerinteressen. Nun, das hatten wir doch etwas anders verstanden, als es hieß: “Wir wollen nicht ausbauen”, es gebe „keinen Standplatz, der dazu kommen“ könne.

„Eine pauschale Ablehnung von zusätzlichen Standorten durch die Stadtverwaltung werden wir nicht selbstverständlich hinnehmen“, teilte die SPD-Fraktion daraufhin Mainz& mit, man sehe durchaus „Chancen, weitere Standorte einzurichten“, auch um den Weihnachtsmarkt rund um den Dom zu entlasten, der in Spitzenzeiten deutlich überlaufe.Und DAS Problem könne doch auch „die Verwaltung auch nicht ignorieren, da die Überfüllung nicht zur Qualität und Attraktivität beiträgt.“ Na, da sind wir ja mal gespannt 😉

 

1 KOMMENTAR

  1. Altes Sprichwort:
    Das Gegenteil von GUT ist nicht schlecht, sondern GUT GEMEINT.

    Ist doch wirklich eine UNSITTE, diese moderne Computergläubigkeit

    Geht doch nix über gesunden Menschenverstand..

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