Jetzt ist es so weit: Der Streit um die Vergabe der Stände auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt geht vor Gericht. „Unsere Klage ist heute morgen ans Verwaltungsgericht Mainz gegangen“, sagte Seniorchef Hans Willi Fleischer am Mittwoch Mainz&, und fügte hinzu: „Wir drängen auf Eilentscheidung.“ Die Stadt wolle zum 31.7. verbindliche Zusagen erteilen, das müsse mit einer einstweiligen Verfügung gestoppt werden. Dafür sieht der Winzer gleich eine ganze Reihe von Angriffspunkten: Fehler im Verfahren selbst – und Verstöße gegen die Marktordnung der Stadt Mainz.

Weingut der Stadt Mainz klagt wegen Weihnachtsmarkt
Jetzt geht es rund in Sachen Weihnachtsmarkt: Es wird geklagt – Foto: gik

„Diffamierung und Herabsetzung“ der Mainzer Winzer

„Ich empfinde das als ganz persönliche Diffamierung und Herabsetzung“, betonte Fleischer noch einmal. Dazu komme, dass auch von den Mainzer Winzern kein einziger Betrieb berücksichtigt wurde. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass wir als Mainzer Winzer so viel für die Stadt tun, und nicht ein einziger ist gut genug für den Weihnachtsmarkt“, kritisierte Fleischer.

Nun stellen Fleischers gleich das ganze Verfahren infrage, und haben dafür gute Argumente: Die Jury sei willkürlich zusammengesetzt worden, ohne Kompetenz, und ohne Ausgewogenheit, argumentiert der Winzer. Dazu sei der Antrag vom Weingut der Stadt Mainz nur von drei Jurymitgliedern entschieden worden, auch das ein Verfahrensfehler. „Wären alle da gewesen, hätte das Ergebnis auch anders aussehen können“, argumentiert Fleischer.

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Mainzer Marktordnung sagt Kompensation von Investitionen zu

Weingut der Stadt Mainz klagt wegen Weihnachtsmarkt
Kein Friede im Schatten des Doms – Foto: gik

Und dann ist da noch die Mainzer Marktordnung: Da stehe drin, „dass jeder, der jetzt investiert hat, die Chance haben muss, seinen Investitionen zu erwirtschaften“, sagte Fleischer, und das sei keine Kann-Vorschrift: „Da steht wortwörtlich: ‚Es ist ihm zu ermöglichen‘.“ Der Hintergrund sei, dass den Marktbeschickern, die erhebliche Investitionskosten für ihren Marktauftritt investiert haben, die Möglichkeit gegeben werden solle, ihre Investitionen wieder einzuspielen.

Er selbst habe über 50.000 Euro an Investitionen getätigt, „das ist steuerlich noch nicht abgeschrieben“, sagte der Winzer, und erläutert: „Wir mussten einen Kopfstand bauen, wir mussten genaue Vorgaben umsetzen.“ Deshalb gebe es von Seiten der Stadt nun auch „die Verpflichtung, uns Zeit zu geben, bis das abgearbeitet ist, und ein ordentlicher Verdienst erwirtschaftet werden kann.“

Die von der Stadt favorisierten Ausweichplätze am Hauptbahnhof und auf dem Rathaus-Vorplatz, lehnt Fleischer ab. Der Bahnhofsvorplatz sei schlicht indiskutabel, auf dem Rathausplateau hätten die Vereine ja schon bei der Johannisnacht nicht durchgehalten, sagt Fleischer: „Was glaubst Du, wie es im Dezember da zieht!“ Für die paar Glühweine, die er dort verkaufen würde, lohne sich das nicht, sagt Fleischer: „Da bleibe ich lieber daheim.“

 

4 KOMMENTARE

  1. Ich bin der Meinung das ein Winzer nichts auf einem Weihnachtsmarkt zu suchen hat. Als Grund nenne ich das die Winzerbetriebe die Weihnachtsmärkte mit Wein beliefern,deshalb sollen sie doch den Glühweinverkäufern den Verkauf überlassen.

    • Hallo Herr Levy, Sie wissen aber schon, dass die Glühweinverkäufer auf den Weihnachtsmärkten in aller Regel Winzer sind…? Zumindest hier in der Region ist das so 😉 Und warum sollten die auch keinen Glühwein verkaufen, wo sie doch schon Wein machen….

  2. Vor allem die glühweinverkäufer in München ,Berlin, Hamburg , Dortmund, Hannover etc. Die haben alle tolle Weinberge .halten wird doch mit dem Spruch : Schuster bleib bei deinem Leisten

    • Hallo Herr Kritz, Glühweinverkäufer in anderen Großtätten sind ja in der Regel keine Winzer – bei uns ist das schon oft so. Und das ist doch besser, als den Glühwein im Großhandel zu kaufen, oder nicht? Von wegen Regionalität… Umso seltsamer ist es dann, wenn gerade diese Regionalität auf einmal zulasten der Winzer geht…

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