Welche Vögel sind noch da? Das fragt am kommenden Wochenende der Naturschutzbund NABU zur traditionellen „Stunde der Wintervögel“. Bei der Mitmachaktion sind Naturfreunde wieder aufgerufen, vom 10. bis 12. Januar eine Stunde lang die Vögel an ihrem Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und dem NABU anschließend zu melden. Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Die „Stunde der Wintervögel“ ist nach Angaben des NABU Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und findet bereits zum zehnten Mal statt.

Logo des NABU für die "Stunde der Wintervögel" vom 10. bis 12. Januar 2020. - Screenshot: gik
Logo des NABU für die „Stunde der Wintervögel“ vom 10. bis 12. Januar 2020. – Screenshot: gik

Es ist keine triviale Frage mehr, die der Naturschutzbund da inzwischen stellt: Im Winter 2016-2017 stellten die Naturschützer schockiert fest: 20 bis 30 Prozent weniger Singvögel hatten die Vogelfreunde in dem damaligen Winter gezählt, bei den Meisen waren es gar 50 Prozent weniger – Naturschützer befürchteten schon das Schlimmste. Der Insektenschwund führe zum Vogelschwund, befürchteten viele, am Ende fiel die Erklärung nicht ganz so dramatisch aus – mit dem Klimawandel hatte sie trotzdem zu tun.

Der warme Winter nämlich hatte 2017 das Zugverhalten der Vögel drastisch verändert. So waren Amseln, Drosseln und Stare gar nicht erst in den Süden gezogen und noch entsprechend stark an den Futternäpfen vertreten. Dafür blieben gerade die Meisen aus, die sonst aus Russland oder Polen nach Deutschland gezogen waren. Dazu blieben viele Vögel angesichts des milden Winters schlicht im Wald und auf dem Felde, weil sie die Futtertröge der Menschen gar nicht brauchten – auch eine neue Entwicklung. 2018 wurden denn auch wieder deutlich mehr Vögel in Gärten und Parks gezählt.

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Nun stellt sich in diesem, ebenfalls bislang sehr milden Winters die spannende Frage: Welche Vögel sind eigentlich noch da? Welche Vorgelarten halten sich im Winter bei uns auf, und wie viele von ihnen können wir noch beobachten? Typische Wintergäste aus dem Norden seien derzeit Bergfinken, Wacholderdrosseln und Erlenzeisige, heißt es beim NABU Hessen. Eine Besonderheit des Winters seien seit einiger Zeit die hier gebliebenen Zugvögel wie Mönchsgrasmücken, Hausrotschwänze oder Stare. In diesem Jahr könnte es zudem „regional interessante Erkenntnisse für den Eichelhäher geben“; teilte der NABU Hessen mit: „Im Herbst haben wir einen massiven Einflug dieser Art nach Deutschland und Mitteleuropa beobachtet“, sagt NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler.

Zählhilfe für die "Stunde der Wintervögel" des NABU 2020. - Screenshot: gik
Zählhilfe für die „Stunde der Wintervögel“ des NABU 2020. – Screenshot: gik

Im September seien mehr als zehnmal so viele Eichelhäher registriert worden wie all die sieben Jahre zuvor im September. „Im Oktober registrierten Vogelzugzählstationen sogar 16-Mal so viele Eichelhäher, ähnlich hohe Zahlen gab es zuletzt 1978“, sagte Eppler weiter. Als Grund vermuten die Ornithologen, dass es 2018 in Nordosteuropa eine sogenannte Eichelvollmast gab, also besonders viele Eicheln herangereift sind. So konnten deutlich mehr Eichelhäher den vergangenen Winter überleben und in diesem Jahr brüten. „Viele dieser Vögel sind nun zu uns gezogen, weil in ihren Herkunftsgebieten nicht mehr genug Nahrung für alle Vögel vorhanden ist“, erklärt Eppler: „Seit die Eichelhäher nicht mehr aktiv wandern, scheinen sie jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Die Stunde der Wintervögel könnte zeigen, wo diese Eichelhäher geblieben sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie sich in den Wäldern und Gärten des Landes verteilt haben.“

Zur Teinahme braucht es übrigens keine besondere Qualifikation, das pure Interesse und die Freude an der Vogelwelt reichten zur Teilnahme aus, betont der NABU. Von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus, gerne auch vom Fenster, werde von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die man im Laufe einer Stunde gleichzeitig beobachte. Und je mehr Menschen mitmachten, desto aussagekräftiger würden die Ergebnisse. So beteiligten sich im Januar 2018 in Hessen etwa 7.972 Menschen, im Nachbarland gingen Meldungen aus mehr als 5.611 Gärten und Parks mit über 223.005 gezählten Vögeln ein.

In Rheinland-Pfalz legten sich 5.914 Vogelfreunde auf die Lauer, bundesweit waren es insgesamt 138.026 Menschen, gezählt wurden 3,5 Millionen Vögel. Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Deutschlands Gärten, die Kohlmeise erreichte Platz zwei. Auf den Plätzen drei bis fünf folgten Blaumeise, Feldsperling und Amsel. Bei der „Schulstunde der Wintervögel“ vom 6. bis 10. Januar bietet die Natuschutzjugend NAJU auf www.NAJU.de/SdW Zählkarten, ein Poster und ein Wintervogel-Quiz für Kindergruppen und Schulklassen an – das kann ja auch für manchen Erwachsenen nicht schaden… Die Kinder lernen bei fünf Aktionen Vögel und ihre Anpassungsstrategien an die kalte Jahreszeit kennen, die Zählergebnisse der Kinder fließen ebenfalls in die NABU-Auswertung ein.

Info& auf Mainz&: 10. „Stunde der Wintervögel“ vom Freitag, den 10. Januar bis Sonntag, den 12. Januar 2020. Wie es genau geht, wird unter „Stunde der Wintervögel“ im Internet erklärt, hier meldet man auch seine Beobachtungen können dann im Internet unter www.stundederwintervoegel.de bis zum 20. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 11. und 12. Januar jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800-1157-115 geschaltet. Zudem gibt es hier beim NABU Rheinland-Pfalz jede Menge weiterführende Informationen und Beschreibungen der Vögel. Wer unsicher ist, kann sich mit dem online Vogeltrainer auf das Beobachten vorbereiten. Mehr zur Stunde der Wintervögel 2017 lest Ihr hier bei Mainz&. Die Ergebnisse aus den früheren Zählungen „Stunde der Wintervögel“ in Rheinland-Pfalz findet Ihr hier beim NABU.

1 KOMMENTAR

  1. Am häufigsten sind die Rabenvögel, also Dohlen, Krähen, Elstern usw. und zunehmend die verwilderten grünen Halsbandsittiche. Es gibt auch ein paar zugfaule Amseln. Ansonsten fast nichts mehr. Es ist jetzt schon der zweite Winter, dass mein Vogelfutter (Körner, Fettiges) keine Interessenten findet. Unsere Singvögel leiden am Verlust ihrer Lebensräume und ihrer Nistmöglichkeiten. Dazu kommt der dramatische Mangel an Insekten als Futter für die Brut. Die unterernährte wehrlose Brut wird dann von Elstern, Eichhörnchen und Katzen geräubert. Bald wird es auf der Welt außer Menschen und Geld nichts mehr geben. Am Ende bleibt nur noch Geld übrig und natürlich Waffen..

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