„Winter is coming“ heißt es in einer legendären Fernsehserie so treffend, für Rheinland-Pfalz steht nun fest: Der Konjunkturwinter ist da. Das Konjunkturklima der rheinhessischen Wirtschaft fiel gerade auf ein Sieben-Jahres-Tief, das Bruttoinlandsprodukt brach auf minus 0,4 Prozent im zweiten Quartal 2019 ein, und verschlechterte sich seither noch weiter – das Statistische Landesamt konstatierte: „Die rheinland-pfälzische Wirtschaft befindet sich in einer Rezession.“ Grund ist vor allem ein erheblicher Einbruch in der Industrie: Autozulieferer und Chemieunternehmen schwächeln, die starke Exportorientierung der rheinland-pfälzischen Wirtschaft macht den großen Unternehmen zu schaffen – Rheinland-Pfalz rutschte aktuell auf den letzten Platz der Bundesländer. Gut da stehen hingegen andere Branchen: Dienstleistungen und Baugewerbe boomen weiter.

Sonnenuntergang über dem Containerhafen von Frankenbach am Mainzer Zollhafen - Rheinhessen rutscht gerade in eine Rezession. - Foto: gik
Sonnenuntergang über dem Containerhafen von Frankenbach am Mainzer Zollhafen – Rheinhessen rutscht gerade in eine Rezession. – Foto: gik

Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz ließ in seiner aktuellen Pressemitteilung keinen Zweifel: „Die rheinland-pfälzische Wirtschaft befindet sich in einer Rezession“, konstatierten die Statistiker. Im zweiten Quartal 2019 ist die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent im vergleich zum 1. Quartal 2019 gesunken – im Vergleich zum Vorjahr sank das BIP um 0,2 Prozent. Eine negative Wirtschaftsentwicklung ist die Definition einer Rezession – das Münchner Ifo-Institut sieht die Lage sogar noch dramatischer: Rheinland-Pfalz liegt da jüngsten Zahlen zufolge mit einem Minus von 0,9 Prozent sogar auf dem letzten Platz der Bundesländer. Die Wirtschaft schrumpft bereits – Deutschland steht am Rande einer veritablen Krise.

Schwarzmalerei ist das nicht: Die Wirtschaft selbst sieht es so. Bei der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen (IHK) zum Herbst 2019 fiel der Index für das Konjunkturklima mit gerade einmal 109 Punkten auf die niedrigste Punktzahl seit sieben Jahren. Zuvor hatte der Klimaindex durchgehend auf hohem Niveau verharrt, zuletzt bei 126 Punkten im Frühjahr 2019. Doch mit der positiven Stimmung ist es vorbei, „der Stimmungsumschwung scheint die Region erfasst zu haben“, stellt die IHK fest.

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Nur 37 Prozent der befragten rheinhessischen Unternehmen meldeten in der aktuellen Konjunkturumfrage eine gute Geschäftslage – das war ein Rückgang von 17 Prozent verglichen mit der Befragung im Frühjahr. 55 Prozent stuften ihre Lage als „befriedigend“ ein (Frühjahr 2019: 38 Prozent), eine deutliche Verschlechterung. „Schlecht“ ist die Lage allerdings aktuell nur bei 8 Prozent, dieser Wert hat sich im vergleich zum Frühjahr nicht verändert. Doch die Welle rollt: Nur noch 32 Prozent der Firmen meldeten gestiegene Umsätze, im Frühjahr waren das noch 46 Prozent gewesen, bei 29 Prozent gingen die Umsätze bereits zurück – im Frühjahr hatten das nur 14 Prozent gemeldet.

Die Industrie in Deutschland schwächelt, das Baugewerbe hingegen boomt weiter. - Foto: gik
Die Industrie in Deutschland schwächelt, das Baugewerbe hingegen boomt weiter. – Foto: gik

Entsprechend skeptisch schauen die Unternehmen in die Zukunft: Nur 18 Prozent rechnen mit besseren Geschäften (Frühjahr: 24 Prozent) , 25 Prozent (Frühjahr: 16 Prozent) rechnen bereits mit schlechteren Geschäften. Noch gehen 57 Prozent davon aus, dass die Umsätze gleich bleiben – die Frage ist, wie lange noch. Denn am Horizont ziehen schwarze Wolken herauf: Die anhaltende Unsicherheit über den Brexit schlägt nun auch auf die rheinhessische Wirtschaft durch, zumal ein chaotischer Austritt zwischenzeitlich höchst wahrscheinlich schien. „Der extreme Stimmungsumschwung in der Industrie ist sicherlich auch ein Reflex auf die Lähmung der Weltmärkte im Zuge des amerikanisch-chinesischen Handelskonfliktes“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz zudem. Demzufolge stiegen die Exporterwartungen für die kommende Jahresspanne nur noch bei 16 Prozent (Frühjahr: 21 Prozent) der Unternehmen, bei 28 Prozent sank sie aber.

Hauptgrund für das Abgleiten in die Rezession sind denn auch die großen Industrieunternehmen im Land: Die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe ging gegenüber dem Vorquartal deutlich um 2,5 Prozent zurück. Betroffen sind viewlfach vor allem Autozulierer- oder andere Metallfirmen: „Der Rückgang in der Produktion traf die Automobilindustrie mit -12 Prozent gegenüber dem Vorjahreshalbjahr besonders hart“, heißt es im Report von Pfalzmetall, dem Verband der pfälzischen Metall- und Elektroindustrie. Auch in der Elektroindustrie (-3,5 %)  und im Maschinenbau (-1,7 %) bleibe die Produktion deutlich unter den Vorjahreswerten. 30 Prozent der Unternehmen hätten im Juli Auftragsmangel gemeldet. Schon jetzt sinke die Zahl der Beschäftigten in der Branche.

Damit sind es vor allem die sogenannten „Problembranchen“ der deutschen Wirtschaft – Autoindustrie, Maschinenbau und Chemie -, die für den Einbruch der Wirtschaft sorgen. Einen Boom gibt es nämlich weiterhin: das Baugewerbe findet sich weiter deutlich auf Wachstumskurs und vermeldet auch im 2. Quartal noch ein Plus von 1,4 Prozent. Auch im Dienstleistungsbereiche hätten fast alle Bereiche eine Steigerung ihrer Wirtschaftsleistung verzeichnen können, heißt es beim Statistischen Landesamt – am stärksten fiel das
Plus bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern aus. Einen kräftigen Zuwachs um 2,9 Prozent gab es auch im Bereich „Information und Kommunikation“, bei Freiberuflern, Unternehmens- und Steuerberatern.

Auch beim Handel trübt sich indes die Stimmung ein: Nach einem Vier-Jahres-Höchststand im Frühjahr, gingen auch hier aktuell Stimmung und Umsätze zurück, meldet die IHK. Die Deutschen werden offenbar etwas vorsichtiger beim Konsum – als einen Grund für die sich eintrübende Stimmung sieht die IHK denn auch „die Unsicherheit über die kommende Klimapolitik.“

Info& auf Mainz&: Den ganzen Bericht des Statistischen Landesamtes findet Ihr auf dieser Internetseite als pdf, den Konjunkturklimabericht der IHK könnt Ihr im Detail hier nachlesen. 

 

1 KOMMENTAR

  1. Ist das denn ein Drama? Wachsen bis zum Platzen kann es doch nicht sein. Auch eine stagnierende oder rückläufige Produktion stellt in Wahrheit Wachstum dar. Denn zu den vorhandenen Gütern und Produkten kommt Neues hinzu, also doch akkumulatives Wachstum. Ich habe jedenfalls mehr als ich in drei Leben aufbrauchen kann. All das überzählige und oft unnütze Zeug muss ich nicht weiter vermehren.

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