Der Skandal um verdorbene Wurst und Fleischwaren bei der nordhessischen Firma Wilke weitet sich aus – am Montag wurde bekannt: Produkte der Firma Wilke sind über verschiedenste Marken ins ganze Bundesgebiet gelangt, auch nach Rheinland-Pfalz. Das hessische Verbraucherministerium veröffentlichte inzwischen eine Liste mit 13 betroffenen Marken für Wurst- und Fleischprodukte, dazu wurden Wurstwaren auch lose an Fleischtheken in Lebensmittelmärkten verkauft. In Hessen waren zwei menschen nach dem Verzehr von Fleischprodukten der Firma Wilke gestorben, in Pizzasalami sowie in einer Brühwurst wurden gefährliche Listerien gefunden. Verbraucher sollten unbedingt Produkte in ihrem Kühlschrank überprüfen und bei Verdacht auf Erkrankung zum Arzt gehen, ab Mittwoch gibt es auch eine Verbraucher-Hotline.

Wurstprodukte der Firma Wilke auch nach Rheinland-Pfalz gelangt - Hessen richtet Verbraucher-Hotline ein
Logo des nordhessischen Wurstherstellers Wilke, dessen Produkte gerade komplett wegen gefährlicher Bakterien zurückgerufen werden. – Foto: gik

Am 2. Oktober war bekannt geworden, dass zwei ältere Menschen aus Hessen nach dem Verzehr von Wilke-Produkten gestorben waren – der Wursthersteller Wilke im nordhessischen Twistetal wurde daraufhin von den Behörden geschlossen. Wie die Hessenschau berichtet, gab es erste Bakterienfunde in Wilke-Waren bereist im März, gewarnt wurde vor den Produkten öffentlich aber nicht. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch berichtete am Dienstag zudem, das hessische Umweltministerium in Wiesbaden habe bereits am 12. August vom Listerien-Verdacht bei Wilke erfahren – doch erst sieben Wochen später sei der Betrieb stillgelegt worden und eine Warnung der Verbraucher erfolgt.

Erst am Montag veröffentlichte das Ministerium zudem eine Liste von Marken und Handelsnamen, die von Wilke-Wurst beliefert wurden und verdächtige Wurst oder Fleischwaren enthalten könnten. Demnach sind auch die Handelsketten Metro und Kaufland betroffen, ebenso die Billigmarke Aro sowie Metro Chef, Pickosta und Sander Gourmet – eine vollständige Liste findet Ihr unten. Verbraucher sollten unbedingt nachprüfen, ob Waren das Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG“ tragen. Bei losen Fleischwaren solle man im Supermarkt nachfragen, ob die Fleischtheke von Wilke beliefert wurde. In welchen Supermärkten und Einzelhandelsketten genau Wurst und Fleischwaren von Wilke verkauft würden, sei nicht bekannt, berichtete die Hessenschau weiter.

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Wilke exportierte Waren weltweit und belieferte offenbar eine unübersichtliche Anzahl von weiterverarbeitenden Betrieben. Am Montag war bekannt geworden, dass auch der Möbelhersteller IKEA betroffen ist, Produkte wurden zudem an Kantinen geliefert, auch in Krankenhäusern. Das rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerium forderte die Betriebe im Land nun dazu auf zu überprüfen, ob sie Fleisch- und Wurstwaren der Firma Wilke erhalten haben. „Aktuell gehen wir davon aus, dass Betriebe in ganz Rheinland-Pfalz Wurstwaren des Unternehmens erworben haben“, sagte Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne). Das Landesuntersuchungsamt habe Vertriebslisten zu den betroffenen Wurstwaren aus Hessen erhalten und erhalte laufend weitere. Die Informationen würden umgehend an die zuständigen Behörden der betroffenen Städte und Kreise im Land weitergegeben, die den inzwischen angeordneten Warenrückruf überwachten.

Wurstprodukte der Firma Wilke auch nach Rheinland-Pfalz gelangt - Hessen richtet Verbraucher-Hotline ein
Wurst und Fleischwaren sollten von den Verbrauchern sorgfältig kontrolliert werden – der Skandal um Wilke Wurst ist noch nicht vorbei… – Foto: privat

Die Firma Wilke ruft seit Mittwoch vergangener Woche alle ihre Erzeugnisse aus dem Handel zurück, da die Produkte weiter mit Listerien-Keimen belastet sein können. Gerade bei Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem wie etwa Schwangere, Senioren oder erkrankten Personen könnten Listerien schwere Krankheitsverläufe auslösen, heißt es aus dem Ministerium. Derweil richtete Hessen am Dienstag eine Verbraucherhotline zur Rückrufaktion ein, die Hotline ist ab Mittwoch zu erreichen – genau Infos unten. Die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) gerät derweil unter Druck, die Opposition kritisiert scharf die verzögerte Information der Öffentlichkeit – Hinz trage dafür die politische Verantwortung, kritisierte die SPD.

Info& auf Mainz&: Wer überraschenden Durchfall, Fieber und/oder Erbrechen feststellt, vor allem nach Einnahme von Wurst- oder Fleischwaren, sollte kontrollieren, was er gegessen hat, und einen Arzt aufsuchen: genauere Informationen über Listerien haben die Kollegen der Hessenschau hier zusammengetragen. Verbraucher sollten außerdem kontrollieren, ob sie Produkte mit dem Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG“ haben, betroffen sind diese Marken:

  • Haus am Eichfeld
  • Metro Chef
  • Service Bund „Servisa“
  • CASA
  • Pickosta
  • Sander Gourmet
  • Rohloff Manufaktur
  • Schnittpunkt
  • Korbach
  • ARO
  • Findt
  • Domino
  • Wilke

Die Verbraucher-Hotline zum Rückruf der Wilke-Produkte ist ab Mittwoch, 9. Oktober 2019, 8.00 Uhr unter der Rufnummer 06151 – 12 6082 geschaltet und bis auf Weiteres während der Servicezeiten der Behörde von montags bis donnerstags zwischen 8.00 und 16.30 Uhr sowie freitags zwischen 8.00 und 15.00 Uhr erreichbar. Ausführliche Informationen gibt es auch bei der Verbraucherzentrale Hessen genau hier.

1 KOMMENTAR

  1. Welt der Keime. Keimfrei gibt es nicht. Und wer allen Keimen aus dem Wege geht, wird krank. Früher hieß es durchaus zutreffend: „Dreck macht Speck“. Es sei an gesunde „Misthaufenkinder“ und krankheitsanfällige „Sagrotankinder“ erinnert. Eigentlich ist es nur ein Mengen- und ein Abwehrproblem. Wer zu viel Wurst, insbesondere Rohwurst verzehrt, geht grundsätzlich ein Risiko ein. Normale Metzger- oder Thekenware ist übrigens weitaus stärker verkeimt als in Folie unter Schutzgas eingeschweißte Ware. Vielfach werden die vorhandenen Keime erst unter häuslichen Bedingungen regelrecht gezüchtet. Ich will damit Wilke nicht gesundbeten, denn es gab offensichtlich vom Preisdruck ausgelöste Schlampereien. Aber wir müssen alle unser Kaufverhalten und unsere Verzehrgewohnheiten hinterfragen.

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