Sorgt die seit einem Jahr intensiv geführte Klimadebatte doch für ein Umdenken in Sachen Flugverhalten der Deutschen? Während Fluglinien und Flughäfen in Deutschland bislang von ungebrochener Flugfreude sprachen, gibt es nun andere Zahlen: Die Zahl der innerdeutschen Flüge sinke, teilte die Bundesvereinigung gegen Fluglärm nun mit – und das schon im zweiten Jahr in Folge. Eine Online-Petition auf der Petitionsplattform der Organisation Campact fordert derweil, Inlandsflüge der Regierung zu reduzieren.

Flugzeuge im Abendlicht am Frankfurter Flughafen. - Foto: gik
Flugzeuge im Abendlicht am Frankfurter Flughafen. – Foto: gik

2019 waren nach Angaben der Bundesvereinigung gegen Fluglärm auf Flügen innerhalb Deutschlands 1,9 Prozent weniger Passagiere unterwegs, insgesamt 47,1 Millionen Menschen. Damit sei die Zahl der innerdeutschen Flüge nun schon im zweiten Jahr hintereinander gesunken. Carl Ahlgrimm, Der Präsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF), begrüßte diese Entwicklung und fordert zudem: „Bis 2030 müssen alle Kurzstreckenflüge wegfallen. Dies wäre ein effektiver Beitrag zum Klimaschutz und würde zugleich die Lärmbelastung erheblich reduzieren.“ Der Effekt werde alledings nur wirksam, wenn mit den frei gewordenen Flugrechten nicht andere Ziele angeflogen weürden.

Ahlgrimm betonte, ein Rückgang der innerdeutschen Flüge könne auch dem stark belasteten deutschen Flugraum helfen und die Situation am Himmel über Deutschland wirksam entspannen. „Die Anzahl der Start- und Landerechte der Airlines müsste jedes Jahr um 3 Prozent gekappt werden“, forderte Ahlgrimm. Die BVF werde im Rahmen der Diskussion um einen Green Deal auf europäischer Ebene einen entsprechenden Vorschlag zur Änderung der Europäischen Slotverordnung entwickeln, kündigte er an. Die Europäischen Slotverordnung regelt als europäische Rechtsverordnung die Vergabe von Zeitfenstern für Starts und Landungen an die Fluggesellschaften.

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Derweil fordert eine Online-Petition die Bundesregierung auf, ab sofort dafür zu sorgen, dass alle Ministerien die Buchung von Inlandsflügen zwischen den Dienstsitzen Bonn und Berlin stoppt und Inlandsflüge generell vermieden werden. „Ich fordere das Bundesumweltministerium und damit besonders Frau Svenja Schulze (SPD) dazu auf, dass ab sofort für alle Ministerien das klimafreundlichste Verkehrsmittel für Dienstreisen das Mittel der Wahl ist und nicht wie bisher das preisgünstigste“, schreibt die Verfasserin Sarah Beranek auf Weact.

Fliegen Politiker in Deutschland zu viel? Hier die Oberbürgermeister Michael Ebling (Mainz), Sven Gehrig (Wiesbaden, Ex-OB) und Peter Feldmann (Frankfurt, alle SPD) bei einer Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. - Foto: gik
Fliegen Politiker in Deutschland zu viel? Hier die Oberbürgermeister Michael Ebling (Mainz), Sven Gehrig (Wiesbaden, Ex-OB) und Peter Feldmann (Frankfurt, alle SPD) bei einer Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. – Foto: gik

Im Jahr 2018 habe die Zahl der Inlandsflüge für alle Ministerien bei fast 230.000 gelegen, argumentiert die Verfasserin weiter – Videokonferenzen seien dagegen 2018 weniger gehalten worden. Dieser Trend sei auch für das Jahr 2019 zu erwarten, dabei könnten im Zeitalter der Digitalisierung Konferenzen auch mit Videoschalten durchgeführt werden.

Grund für die steigenden Zahlen sei, dass im Bundesreisekostengesetz die Regel verankert sei, dass das jeweils kostengünstigste Verkehrsmittel für Dienstreisen zu nutzen sei – die klimafreundlichste Variante habe hingegen keinerlei Relevanz. „Als zuständiges Ministerium für den Klimaschutz trägt das Bundesumweltministerium eine besondere Verantwortung und muss als Vorbild für die anderen Ministerien fungieren“, deshalb richte sich die Petition an dieses Haus. 93.461 Menschen hatten am Mittwochnachmittag bereits unterschrieben.

Auch in Mainz hatte es vergangenes Jahr eine Debatte um Inlandsflüge des Stadtvorstands gegeben. Die Mainzer Initiative gegen Fluglärm hatte gefordert, der Stadtvorstand solle auf innerdeutsche Flüge verzichten. Die Linke hatte daraufhin eine Anfrage gestellt, wie oft denn von Dezernenten und Oberbürgermeister geflogen werde – Spitzenreiter war Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) mit 22 Flügen zwischen 2014 und 2018, davon 16 Inlandsflüge. Für den 10. bis 16. Februar ruft die Fluglärm-Initiative Gegenwind zudem deutschlandweit zu einer Aktionswoche gegen Inlandsflüge auf: Unter dem Motto „Deutschland fliegt nicht“ sollen möglichst viele Menschen auch von Behörden und Unternehmen am Boden bleiben und Inlandsflüge vermeiden – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

Info& auf Mainz&: Die gesamte Petition gegen Inlandsflüge der Bundesregierung samt Hintergrundinformationen findet Ihr hier im Internet.

1 KOMMENTAR

  1. Es darf nicht nur um Dienstreisen gehen sondern auch um das Pendeln der Abgeordneten., die ohnehin eine BC 100 haben, also kostenfrei fahren können, beim Vergleich der Bruttozeit oft schneller als mit dem gerade auf Kurzstrecken besonders umweltschädlichen Flugzeug. Die Umweltbelastung muss in die Kostenkalkulation eingerechnet werden. Die Grenzen des Wachstums scheinen überschritten. Fraport hat im November und Dezember Rückgänge gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Ohne die mit Rabatten angelockten Billigflieger wäre das ein Einbruch. Dennoch wird wider jede Vernunft mit Verbissenheit ein neues Riesen-Terminal gebaut. Denn wer unfehlbar ist, muss an seinen Fehlern festhalten, wie auch der im Bau befindliche Stuttgarter Nothalt zeigt. Der Energiefresser Luftverkehr ist ein Auslaufmodell, wie die panische Suche nach Ersatztreibstoffen deutlich macht. Mehr hierzu unter http://www.lerchenberg-info.de/tipps.html

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